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Knill beim Swedish GeorgManagement Forum: "Osterreichs Wettbewerbsfähigkeit im Fokus"



EPA Austria vertreten durch Maria Taramona


Am 22. Mai veranstaltete die Schwedische Handelskammer in Österreich das Swedish Management Forum zum Thema „Die aktuelle Wettbewerbsfähigkeit Österreichs als Industriestandort“. Das Forum wurde von Georg Knill, dem Präsidenten der Industriellenvereinigung, geleitet.


Paul Turac, Präsident der Schwedischen Handelskammer in Österreich, eröffnete das Forum mit herzlichen Worten und begrüßte die Anwesenden sowie den Ehrengast Georg Knill. Turac hob die Bedeutung des Themas hervor und betonte die aktuellen Herausforderungen und Chancen für Österreich als Industriestandort, darunter hohe Personalkosten und Inflationsraten.


Georg Knill, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), betonte in seinem Vortrag die hervorragenden bilateralen Beziehungen zwischen Schweden und Österreich, die durch ein Handelsvolumen von rund 4 Milliarden Euro und zahlreiche Arbeitsplätze in beiden Ländern gekennzeichnet sind. Knill stellte die Industriellenvereinigung als freiwillige Interessensvertretung vor, die rund 5000 Mitgliedsunternehmen aus allen Branchen und Größenklassen repräsentiert und sich für einen attraktiven Industriestandort in Österreich einsetzt.


IV-Präsident Knill äußerte sich besorgt über das Preis-Leistungs-Verhältnis der österreichischen Industrie und unterstrich die Bedeutung optimaler Rahmenbedingungen für den Industriestandort Österreich, der fast 29 % zum BIP beiträgt und mehr als 2 Millionen Arbeitsplätze sichert.


Knill warnte, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis nicht mehr stimme und Österreich dadurch an Wettbewerbsfähigkeit verliere. Während die Technologie, Innovationskraft und die Qualifikation der Mitarbeiter weiterhin stark seien, hätten sich die Lohnstückkosten in den letzten drei Jahren um über 30 % erhöht. Österreich sei nun eines der teuersten Länder, sogar teurer als Deutschland, was die Lohnstückkosten betrifft.


Darüber hinaus seien die Energiekosten im Vergleich zu den USA und China drei- bis viermal höher, was die Wettbewerbsfähigkeit weiter beeinträchtige. Knill kritisierte auch die zunehmende Bürokratie: In den letzten fünf Jahren seien über 800 regulatorische Anforderungen aus Europa nach Österreich gekommen, die Unternehmen mit mehr als 5000 Seiten an Gesetzen und Berichtspflichten belasten.


Knill betonte, dass diese Faktoren die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs stark beeinträchtigen und dringend Maßnahmen erforderlich seien, um die Position der österreichischen Industrie zu stärken.


Energietransformation und der Green Deal

Zum Thema Energietransformation und den Green Deal erklärte Knill, dass die anfängliche Begeisterung durch Ernüchterung ersetzt wurde, da die erwarteten Vorteile wie verlässliche und günstige Energie bisher nicht eingetreten seien. Er forderte verstärkte internationale Partnerschaften, um die Energieversorgung zu sichern, und nannte Italien als Beispiel für erfolgreiche Diversifikation.


Europas Position im globalen Wettbewerb

Auf die Frage zur Positionierung Europas im globalen Wettbewerb betonte Knill die zentrale Rolle Europas in der globalen Wertschöpfungskette und die Dringlichkeit strategischer Partnerschaften und Handelsabkommen. Er erklärte, dass Europa in der Grundlagenforschung stark ist, diese jedoch oft nicht erfolgreich vermarkten kann. Europa muss geschlossen als ein Markt mit 450 Millionen Konsumenten auftreten, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können, betont Knill.


Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik

Zum Thema Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik betonte Knill, dass die Sozialpartnerschaft in Unternehmen gut funktioniere, institutionell jedoch nicht mehr so erfolgreich sei. Er sprach über die Herausforderungen durch Teilzeitarbeit und Frühpensionierung für das Sozialsystem und forderte Anreize für mehr Arbeitszeit und längere Erwerbstätigkeit. Die Notwendigkeit qualifizierter Zuwanderung zur Bewältigung des Arbeitskräftemangels wurde hervorgehoben.


Knill kritisierte die "Vollkasko-Mentalität" in Österreich und betonte die Wichtigkeit, mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Es bestehe die Gefahr, dass populistische Versprechungen ohne echte Leistungserwartung die Gesellschaft in die Irre führen könnten, warnte er.


Kapitalmarkt

Zur Frage des Kapitalmarkts erklärte Knill die Bedeutung desselben für Europa, um ein Gegengewicht zu anderen großen Finanzplätzen weltweit zu schaffen. In Österreich wird der Kapitalmarkt jedoch oft als suspekt angesehen, was zu einer Aversion gegenüber Kapital führt. Diese Einstellung verhindert die Nutzung der Potenziale des Kapitalmarkts, insbesondere für die Finanzierung großer Familienunternehmen, die traditionell durch Banken und Fremdkapital finanziert werden. Knill warnt, dass diese Haltung viele Chancen vertut, insbesondere wenn der Kapitalmarkt nicht genutzt wird, um beispielsweise das Pensionssystem zu stärken.


Die Veranstaltung endete mit einem angenehmen Austausch, bei dem weitere Gespräche und Vernetzungen stattfanden. Das Forum bot wertvolle Einblicke und förderte den Dialog zwischen österreichischen und schwedischen Wirtschaftsvertretern.



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